HOCHWASSER „VON UNTERSICHT”
Die Naturkatastrophen haben viele Gesichter. Außer elementaren Gegenwirkungen der Angst und Erschrockenheit gibt es auch mehrere persönlichen Wege zur Erfahrung der Hochwasser. Hier können Sie drei verschiedene Meinungen über die Zerstörungseffekte der Hochwasser an der Donau lesen. Erstens die „objektive“ Zeilen eines Ingenieurs, die die Großartigkeit des menschlichen Eingriffes würdigen. Zweitens die Lokalgeschichte des Pfarrers von Baranyabán (heute Popovac), der die Hochwasser für Plage Gottes schätzte. Und drittens ein Stück der Lebenserinnerungen einer Frau aus Sepse (heute Kotlina), in dem die alte Erinnerungen der Hochwasser und auch die Endlosigkeit der mit Wasser bedeckten Lande aufgeregt sind.
Der Ingeniuer – Sámuel Forberger, Wasserbauingenieur der Donauvermessung (1827)
„Dieses Jahr im Juni brachte das Hochwasser die […] unteren Deiche, und kam es bis zu den […] Kreuzdeichen hoch, die nur mit großer Sorge und Arbeit gerettet werden konnten. Damals war es schön zu sehen das jenseits des Deiches ausschwingende großes Meer und in dem schönsten Grün prangende Wiesen – und erhob sich das Herz des Menschen, der auch die Elemente erobert hatte.“
Der Pfarrer von Baranyabán (heute Popovac) (1876)
„Trauriges Jahr ist es! – Die Donau und die Theiß haben ihre Betten zu klein gehalten. […] Die Gemeinden entlang der Donau sind in die Brüche gegangen. In den Gemeinden Mohács, Batina, Darázs und Márok sind die halbe Häuser zusammengestürzt. […] Unter der Keselyűs Puszta der mit viel Lärm errichtete Turmbau zu Babel, besser gesagt das wunderbare Schützwerk mit seiner Maschine wurde einfach an einem schönen Morgen abgeströmt – es ist auch kein Stein davon geblieben – und Wasser bedeckte die tausend Acker Gutsbesitzlände. So doch gibt es Gott! Es gibt sicher, und einen Solchen, der das 40.000 Forint gekostetes Schützwerk weggeblasen hatte!“
1926 – Mária Südi (Frau Kis Kónya – Kotlina, Kroatien)
„…elend ist eine solche Lage, weil wenn ich auf den Berg gegangen war, war es schrecklich das Meer zu sehen – viele Schiffe und Motorboote fuhren dort. Ich ging jeden Sonntag auf den Berg um das große Wasser anzuschauen, und wenn es begann zu sinken, sahen wir, wie die Weizen das Wasser gelbten. 50 Jahre lang kam das zum letzten Mal vor, dass wir so ein großes Wasser in 1876 erlebten, damals war ich nur 12 Jahre alt. In Laskó wurde es dann gepredigt, dass das letztmalige Hochwasser vor 101 Jahren, also in 1775 gewesen war – aber früher bedeckte das Wasser der Donau die Wiesen auch so, weil diese Ufer sind alle von der Donau ausgewaschen worden. Es kann man von Laskó bis Vörösmart, dann bis nach Mohács sehen.
Gábor Máté
Universität Pécs,
Lehrstuhl für Europäische Ethnologie und Kulturanthropologie


